#5 MIT SPRACHE RECHT - Ich kann nicht alles und das ist gut so
Shownotes
5 MIT SPRACHE RECHT - Ich kann nicht alles und das ist gut so
In dieser Folge geht es um eine Frage, die mir im Berufsalltag immer wieder begegnet: Wo liegen eigentlich die Grenzen einer rechtlichen Betreuerin?
Denn rechtliche Betreuung bedeutet nicht, dass ich alles betreue und schon gar nicht, dass ich automatisch für alle persönlichen oder mentalen Themen meiner Klientinnen und Klienten zuständig bin.
Ich spreche darüber, warum es so wichtig ist, den eigenen Fachbereich zu kennen, Verantwortung zu übernehmen und bewusst Grenzen zu setzen. Dabei geht es auch um das Thema Professionalität: Ist es wirklich professionell, alles anzubieten, nur weil man es irgendwie kann?
Außerdem teile ich meine persönliche Sicht auf Fortbildungen. Sie sind wichtig und können wertvolles Wissen vermitteln, eine Fortbildung ersetzt für mich jedoch keine fundierte Ausbildung und die anschließende Berufserfahrung.
Diese Folge ist eine Einladung, genauer hinzuschauen: Was ist eigentlich meine Aufgabe? Was gehört zu meinem Fachbereich? Und wo beginnt die Verantwortung eines anderen?
Denn seine eigenen Grenzen zu kennen und sie auch bewusst zu setzen, ist für mich ein wichtiger Teil von Professionalität.
Deine Nadine
Transkript anzeigen
00:00:09: Hallo und herzlich willkommen zum Podcast Mitspracherecht.
00:00:12: Ich bin Nadine Sönmez, voll selbstständig gerechtliche Betreuerin und Mutter und nehme euch so ein bisschen mit in meinen Alltag und in meine Probleme.
00:00:22: In der heutigen Folge soll es um das Thema gehen ob ich als rechtlicher Betreurerin eigentlich sagen kann diese Betreuung möchte ich nicht oder diese Betreuung kann ich nicht.
00:00:34: Da gibt es verschiedene Aspekte, die ich gerne mit euch zusammen ein bisschen beleuchten möchte und euch so ein bisschen da auf die Einblicke geben möchte.
00:00:40: Keine Sorge!
00:00:41: Es wird nicht nur um die Betreuungsarbeit gehen sondern ich versuche das auch auf die anderen Berufe so ein bischen zu übertragen.
00:00:49: Nur damit ihr schon mal so grob bescheinlich ist, wie weit geht?
00:00:54: Genau also kann ich als rechtliche Betreuerin sagen diese Betreuung möchte ich nicht.
00:01:00: Ja Generell ist es so, dass eine rechtliche Betreuung vorab von der Betreuungsbehörde angefragt wird.
00:01:08: Das heißt die Betreuingsbehörder macht sich darüber Gedanken welcher Betreuer könnte zu diesem Fall passen und meldet sich dann bei den Betreuern und fragt dann quasi denjenigen an.
00:01:21: dort wird auch die Situation die Fallkonstellation und die Situation des Betreuten dann durchgesprochen.
00:01:31: Und dann kann der, der richtige Betreuer dann sagen ja mache ich oder nicht so gerne.
00:01:39: Dabei geht es ehrlicherweise für mich nicht darum irgendwie nur die einfachen Fälle zu nehmen sondern für mich geht's da derzeit ganz zentral um das Thema.
00:01:48: passt dieser Fall zu meinen fachlichen Kompetenzen?
00:01:51: also passt dieser fall zu mir?
00:01:56: Manchmal ist es nämlich tatsächlich auch einfach verantwortungsvoller zu sagen, okay hey derjenige passt wahrscheinlich nicht so gut zu mir.
00:02:04: Warum das so ist?
00:02:06: Dazu kommen wir auf jeden Fall gleich noch.
00:02:09: Warum es manchmal auch einfacher ist zu sagen hey das mache ich nicht.
00:02:14: Vielleicht als kurzes persönliches Beispiel dazu Ich bin rechtliche Betreuerin und ich bin absolut Teamstruktur und Orga!
00:02:24: quasi in die Wiege gelegt bekommen und mache das mit Leidenschaft.
00:02:28: Ich habe aber keine therapeutische Ausbildung,
00:02:31: d.h.,
00:02:32: ich kann supergut Belege sortieren, die Vermögensverhältnisse klären, ich kann gut mit Schulden umgehen, kann da toll eine Struktur in den Alltag desjenigen bringen, in deren Unterlagen, in ihren Sorgen.
00:02:49: Das ist alles überhaupt nicht das Problem, aber ich kann halt einfach keine therapeutischen Hilfeleistungen in irgendeiner Art und Weise dagegen setzen quasi.
00:03:00: Also es geht nicht darum, dass sich mich nicht fortbilden möchte.
00:03:05: Klar kann man sich fortbildern, das ist auch überhaupt kein Problem.
00:03:08: Aber eine Fortbildung ersetzt halt nicht ne jahrelange Berufserfahrung zum Beispiel im therapeutischen Bereich oder die eine Sozialarbeit.
00:03:17: Das wird halt einfach nicht durch irgendeine zehnstündige Fortbildung meiner Meinung nach ersetzt.
00:03:26: Klar kann man das alles ein bisschen anschneiden, aber es ersetzt einfach keine Berufserfahrung und genau darum ist es halt bei mir mit der Belastungsgrenze dann halt tatsächlich auch relativ schnell im therapeutischen Rahmen gesetzt.
00:03:45: also da braucht es meiner meinung nach einfach viel mehr Fingerspitzengefühl dann auch an Unterstützung, die ich vielleicht in dem Augenblick auch gar nicht leisten kann.
00:03:56: Das ist nicht heiß, dass ich sie nicht trotz dessen leiste aber es ist.
00:04:00: manchmal kann es schon echt schwierig sein was uns dann natürlich dazu führt das man sagt ja du bist doch die Betreuerin, du musst das doch können, du muss das doch wissen Du bist doch ausgewählt worden und du hast den Fall doch auch angenommen.
00:04:16: Ja, stimmt schon Man kann halt auch nicht alles wissen.
00:04:23: Also ich kann halt nur rechtlicher Betreuer werden, wenn ich irgendwie Psychotherapeut bin, Sozialarbeiter bin, Pflegefachkraft ein Arzt, Immobilienverwalter und Krisenmanager.
00:04:36: also das wäre ja das Nonplus Ultra und das wäre super schön, wenn es das geben würde ist aber in der Realität einfach leider nicht der Fall und deswegen ist die Kunst halt einfach die eigene Rolle da so ein bisschen zu finden, um zu schauen okay hey wo liegen denn meine Kompetenzen?
00:04:54: Wo sind meine Kernkompetencen und passt das oder diese Betreuung zu mir.
00:05:03: Also es ist halt oft so dass die Kernkompetenzen halt für mich da liegen, wo ich fachlich sicher bin und wo ich auch einen wirklichen Mehrwert bieten kann.
00:05:15: Ich habe euch das schon gesagt!
00:05:16: Ich bin total Team Struktur-und Ordner und bin da einfach sicher in dem was ich tue und kann somit auch ein Mehrwert Bieten, kann also somit auf den Betreuten irgendwie den roten Faden mitgeben und kann schauen dass das alles in passenden Richtungen läuft bei Anträgen unterstützen.
00:05:39: Ich kann die Fristen gewähren, ich weiß wo ich mir die Hilfe hole.
00:05:44: Wasserbarheit nicht heißt dass ich die Hilfe leiste.
00:05:48: Wisst ihr was ich meine?
00:05:51: Also es heißt halt für mich auch nicht das wenn es irgendwie schwierig oder therapeutisch wird, dass ich das dann direkt ablehne oder direkt abgebe.
00:05:58: Das ist auf gar keinen Fall so und ich versuche halt immer das alles zu machen wie es sich für mich noch gut anfühlt.
00:06:05: und auch ich darf da noch lernen professioneller werden und sagen hey, da bin ich jetzt einfach an einer Grenze.
00:06:15: Wo ich die Kompetenz mir halt auch nicht irgendwie mit einer kurzen Fortbildung irgendwie beschaffen kann sondern wo ich halt sagen muss okay Hey!
00:06:24: Da muss jetzt einfach wer ran der halt eine Kernkompetenz darin hat der zum Beispiel eine therapeutische Grundausbildung hatte der zum beispiel schon deutlich mehr Erfahrungen auch mit diesem Krankheitsbild zum Beispiel.
00:06:37: Da sind so Themen, wo es nicht nur um das Ego von einem Betreuer gehen kann oder wo es auch nicht nur darum geht, weil ich denke ja, wird schon irgendwie schiefgehen?
00:06:49: Das ist halt falsch!
00:06:51: Es ist demjenigen... ...nicht so richtig der auf diese Hilfe dann noch angewiesen ist.
00:07:02: Manchmal ist es einfach so dass ein Nein professioneller ist als ein Ja.
00:07:08: Gerade am Anfang dachte ich immer, du kannst doch keinen Fall ablehnen.
00:07:11: Du kannst auch nicht der Betreuungsbehörde sagen, nie den Fall will ich nicht oder da traue ich mich noch nicht ran.
00:07:17: Aber ganz ehrlich Ich glaube einfach wir haben in unserer Gesellschaft echt ein merkwürdiges Verständnis von Professionalität.
00:07:26: Wir denken irgendwie das professionell der ist der halt irgendwie dass alles der sagt ich Kann das selbst?
00:07:34: Ich mache es selbst.
00:07:35: dabei ist es doch eigentlich so dass man sagen muss, hey ich bin so professionell das ich irgendwie checke.
00:07:42: Das ist nicht meine Stärke!
00:07:44: Das ist besser wenn es wer anders macht.
00:07:47: und wie schon gesagt auch da darf ich lernen und darf sagen okay Hey Ich muss mich nicht blöde fühlen wenn ich sage dass ich diese Betreuung mir nicht zutraue weil ich glaube wir sollten viel viel öfter tatsächlich auf unser Bauchgefühl hören und sagen hey Wenn der bauch bei solchen Entscheidungen sagt Hey, die Betreuung kann halt nicht passen.
00:08:09: Weil du hast das therapeutische Fachwissen nicht oder du fühlst dich damit auch einfach unwohl.
00:08:15: Sollte man das genauso mitteilen.
00:08:17: also mittlerweile würde ich sagen kann ich das ganz gut klar.
00:08:21: bei bereits übernommen den betreuungen Ist das alles ein bisschen schwieriger?
00:08:26: Die Betreuungen dann auch abgeben zu können da braucht es noch Noch ganz andere Dinge.
00:08:34: Aber dass wurde den rahmet hier total spreng.
00:08:38: Aber tatsächlich bei Neuanfragen, da einfach für mich selber dann auch zu sagen so hey das passt nicht.
00:08:45: Das mache ich schon auf jeden Fall aber ich mache es noch zu selten und höre zu selte darauf mein Bauchgefühl.
00:08:53: Es ist schon viel viel besser geworden aber es könnte auf jeden fall deutlich besser sein.
00:08:57: Da hätte ich viele Krisen für mich, nicht für den Betreuten sondern für mich mir echt schon ein bisschen ersparen können eben weil ich nicht der Super Allrounder sein kann, weil es für mich und meine Art und Weise der Professionalität halt eben nicht mehr dazugehört das alles selbst machen zu müssen.
00:09:22: Genau!
00:09:23: Und es gibt so viele Beispiele wo das auch echt gut funktioniert.
00:09:29: also zum Beispiel wird ein Dachdecker würde nicht sagen na klar kann ich dir die Gasinstallation im Keller noch machen.
00:09:35: oder Ein Handchirurg würde auch nicht sagen, ach klar den Rücken den kann ich dir jetzt auch noch irgendwie operieren.
00:09:43: Oder Unternehmen und Soloselbstständige denken da glaube ich auch immer ganz häufig sie müssten alles alleine machen.
00:09:51: Machen dann ihre Webseite selbst!
00:09:53: Machen die Buchhaltung selbst?
00:09:54: Machen sich Steuern
00:09:55: selbst?!
00:09:55: Machen das Marketing
00:09:56: selbst!?
00:09:59: Machen ihre Steuere selbst?
00:10:00: Gefühlt so komplett alles selbst und sind dann ein bisschen überfordert.
00:10:04: Also tatsächlich... Unternehmen und Soloselbstständige kann ich da manchmal echt fühlen, weil ich mich genauso fühle.
00:10:13: Bisschenweise gefühlt habe am Anfang.
00:10:16: aber man darf da auch einfach echt die Professionalität eines Dachdeckers haben der dann sagt ne Ich bin Dachdäcker!
00:10:26: Ich bin eben kein Installateur, ich bin kein Gartenlandschaftsbauer sondern ich kümmere mich um das Dach.
00:10:34: Weil dass meine Kernkompetenz ist Da dürfen wir uns, glaube ich, viel häufiger dann noch einfach ein Beispiel rannehmen.
00:10:42: Weil das halt eben nicht immer nur mit einer Fortbildung getan ist die dann halt auf jeden Fall eine erweitere und geeigneten Kompetenzen sein sollte.
00:10:51: selbstverständlich alles gut aber sie kann keine Kern- oder Grundkompetenz für mich ersetzen.
00:10:56: Das ist halt auch ganz klar, dass kann es nicht Und das soll es auch glaub' ich gar nicht.
00:11:01: Also... Für mich gibt's einen Unterschied zwischen der Fortbildung und einer Ausbildung aufgrund der praktischen Erfahrungen, die man halt irgendwie da dann auch mitnehmen kann und nehmen sollte.
00:11:17: Was mir auch noch mal wichtig ist es zu sagen fragt du dich doch einfach mal in deinem Job wemgegenüber bist du denn verantwortlich?
00:11:26: Also als ich mir diese Frage gestellt habe beziehungsweise was sich diese Frage gestellt bekommen hab dachte ich so wem gegenüber bin ich eigentlich in der Verantwortung?
00:11:37: wem über Wegen gegenüber bin ich verantwortlich.
00:11:40: Ich weiß wem gegenüber, ich eigentlich nicht verantwortlig bin und zwar ich bin nicht verantwortlich gegenüber meinem Ego gegen der Betreuungsbehörde, gegen den Umsatz sondern ich bin eigentlich in der Verantwortung für den Betreuten.
00:12:00: Für mich eigentlich relativ einfach zu beantworten aber doch mit so vielen Nebenzweigen noch behaftet dass es auch manchmal so ein bisschen verschwommen ist.
00:12:14: Und eigentlich sollte sich auch dann für jeden, finde ich zumindest für jeden Betreuer irgendwie die Frage stellen Kann ich diese Betreuung denn auch gut machen?
00:12:25: Also klar kann ich eine Betreuungsbetreuung, wo mir die Kernkompetenzen vielleicht nicht so liegen, kann ich sie auch machen?
00:12:34: Die Frage ist immer nur, kann das auch meinem eigenen Qualitätsanspruch gegenüber gut machen.
00:12:41: Und das ist, glaube ich so die Frage, die für mich irgendwie so klar gemacht hat dass ich halt eben nicht alles können muss und ich dadurch aber professionell bin indem ich sagen kann hey!
00:13:00: Ich übernehme es dann lieber nicht bevor ich es nicht gut mache für den Betreuten.
00:13:07: Genau...ich glaub einfach, dass wir weg von dem Gedanken müssen da hast als Profis irgendwie alles selbst machen müssen und ich auch nicht sagen muss, Ich bin der rechtliche Betreuer.
00:13:24: Und ich hab meine Stärken!
00:13:28: Ich habe meine Erfahrungen und ich hab halt aber eben einfach meine Grenzen.
00:13:33: Die gilt es halt irgendwie stark zu schützen.
00:13:38: Es gibt ja viele Dinge die einem dann noch über die Grenzen hinausgehen.
00:13:45: In vielen Berufen verschiebt man seine Grenzen auch immer mal, aber ich glaube das kriegt man auch genauso schnell dann irgendwie vor den Bug gehauen weil es einem eben nicht gut tut diese Grenze auf Dauer zu verschieben.
00:13:57: Deswegen vielleicht doch ganz generell einfach mal die Frage und so eine offene Frage jetzt am Ende der Folge, die ihr mir natürlich gerne in den Kommentaren denn auch immer beantworten könnt bin ich die richtige Person für diesen Job?
00:14:16: oder für die Aufgabe, die mir da vielleicht gerade gestellt wird.
00:14:18: Das kann man glaube ich echt auf ganz viele Dinge runterbrechen und auch auf viele Dinge projizieren.
00:14:27: also fragt euch einfach mal bin ich die richtige Person dafür?
00:14:30: Oder denke ich nur dass ich die richtigen Personen dafür bin und bedient das eigentlich gar nicht so meine Kernkompetenzen beziehungsweise meine Kompetenz?
00:14:42: genau mit dieser Frage verabschiede ich mich Freue mich, dass du mir zugehört hast und würde mich super gerne mit dir dann in den Kommentaren austauschen.
00:14:52: Und ich bin total gespannt wie ihr für euch diese Frage beantwortet!
00:14:58: Bis dahin liebe Grüße.
Neuer Kommentar